Die 5700 Sportvereine in Württemberg und ihre Ehrenamtlichen stecken in einer tiefen Krise. Zum zweiten Mal in diesem Corona-Jahr musste der Sportbetrieb weitestgehend eingestellt werden. Und ob dieser neuerliche Lockdown nach dem 30. November ein Ende haben wird, ist angesichts der gegenwärtigen Entwicklung der Infektionszahlen völlig offen.

Dabei haben die Sportvereine und ihre Ehrenamtlichen im letzten halben Jahr viel von ihrer wertvollen Freizeit und viel Energie aufgebracht, um einen vorbildlichen Trainings-, Wettkampf- und Spielbetrieb unter Pandemie-Bedingungen auf die Beine zu stellen. Und dann noch die regelmäßig geänderten Corona-Verordnungen am oder kurz vor dem Wochenende, die dann auch noch viele Fragen unbeantwortet ließen.

„Unsere Ehrenamtlichen haben so viel Energie hineingesteckt, Riegen und Gruppen umstrukturiert […] Und trotzdem ist jetzt wieder alles dicht. Das demotiviert die Übungsleiter, Trainer und alle anderen Ehrenamtlichen unheimlich.“
Dr. Heinrich Reidelbach, Präsident VfL Sindelfingen (SZBZ vom 12. November 2020)

Dieser Einsatz zeugt von einer unglaublichen Motivation und Leidenschaft für den Sport und für die Gemeinschaft. Und das kommt natürlich beim Württembergischen Landessportbund an. Genauso kommt aber auch die Frustration an, die sich nach dem Schock der ersten Tage nun breitmacht. Entsprechende Schreiben an den WLSB mehren sich genauso wie Medienberichte über die Frustration der Ehrenamtlichen. Übrigens auch jene von Eltern, deren Kinder ihren Bewegungsdrang nicht mehr im Vereinstraining ausleben können.

Die Frustration sitzt besonders tief. Denn es wurde weder der besondere gesellschaftliche Wert des Sports in der politischen Diskussion berücksichtigt: etwa, dass Sport gerade im Kinder- und Jugendbereich pädagogische Arbeit und Bildung ist, oder dass Sport und Bewegung überaus gesund sind und die Abwehrkräfte des Körpers stärken. Dann hätte man das Training in festen Gruppen zumindest im Nachwuchsbereich weiter gestatten können. Stattdessen wurde mal eben Sport dem reinen Freizeitvergnügen zugeordnet – und dichtgemacht.

„Dass der Spielbetrieb verboten wurde ist richtig, den Trainingsbetrieb hätte man aber nicht untersagen sollen […] Dafür wurden Hygienekonzepte entwickelt, die auch funktioniert haben.“
Hilmar Kopmann, Präsident des TSV Laupheim (Schwäbische Zeitung, 10. November 2020)

Ebenso wenig kam höchstwahrscheinlich bei der politischen Entscheidung der bisherige Einsatz der Ehrenamtlichen auch nur in irgendeiner Weise zur Sprache oder wurde gar anerkannt. Und das gilt übrigens nicht nur den gemeinnützigen Sport. Das angesichts all dessen die Ehrenamtlichen in den Vereinen sich immer schwerer tun, ihre Motivation aufrecht zu halten ist mehr als nachvollziehbar.

„Die Stimmung bei den Sportlern in der TG Biberach sei gedrückt, weil keiner weiß, wie und wann es weitergeht. Am härtesten betroffen seien die Senioren im Verein, für die der Sport auch soziale Kontaktpflege bedeute“, formuliert die Schwäbische Zeitung (10. November 2020) Aussagen von Thiemo Potthast, Geschäftsführer der TG Biberach in einem Artikel über die Folgen des zweiten Lockdowns

Völlig zurecht hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann kurz nach der Lockdown-Entscheidung gesagt: „Gerade in der nun bevorstehenden schwierigen Phase kann und wird der Sport weiterhin Teil der Lösung und nicht des Problems sein.“ Wenn allerdings die Anerkennung des organisierten Sports als Gesundheitsförderer, Sozialarbeiter und Bildungsakteur weiterhin nur in Sonntagsreden gelobt wird, dürfte der Frust bei den Ehrenamtlichen weiter wachsen.

Vor diesem Hintergrund begrüßt der WLSB den Beschluss der Sportministerkonferenz (SMK) vom 12. November 2020 ausdrücklich. Darin heißt es: „Die SMK bekräftigt daher den bisher eingeschlagenen Weg, in Kooperation mit den Sportorganisationen, dem Bund und den Kommunalen Spitzenverbänden, die gemeinnützigen Sportvereine als zentrales Element der Sportentwicklung in Deutschland zu stärken und deren Zukunftsperspektiven auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie weiterzuentwickeln.“

Damit diesen Worten nun auch Taten folgen, braucht es aus Sicht von WLSB-Präsident Andreas Felchle die schnelle Bereitschaft zu ersten Maßnahmen: „Um zu verhindern, dass die Ehrenamtlichen von der Stange gehen und wieder neue Mitglieder in die Vereine kommen, braucht es vom Staat angestoßene Initiativen und Kampagnen. Und speziell in Baden-Württemberg muss auf die Zusage, die finanzielle Unterstützung im Rahmen der Soforthilfe Sport bis weit ins kommende Jahr zu verlängern, auch das Bekenntnis folgen, diese Mittel deutlich aufzustocken. Denn schon jetzt sind über 80 Prozent ausbezahlt.“

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