Ein kleines Virus mit großen Auswirkungen, die auch die Württembergische Sportjugend zu spüren bekam. Alle Großveranstaltungen, die Preisverleihung VORBILDER, der VORBILD DANKE!-Abend sowie die Freizeit- und die Herbsttagung, mussten im vergangenen Jahr abgesagt bzw. verschoben werden. Und auch der Landessportjugendtag der WSJ im April 2020, bei der sich Anne Köhler erneut zur Wahl als Vorsitzende gestellt hätte, fiel dem Virus zum Opfer. Die Mitgliederversammlung wird voraussichtlich in 2021 nachgeholt. Bis dahin bleibt die 30-jährige Vorsitzende an der Spitze der Sportjugend und sieht sich nicht nur den Herausforderungen durch die Corona- Pandemie gegenüber.

Der Kinder- und Jugendsport ruht aktuell.Dabei bewegen sich Kinder und Jugendliche laut dem Vierten Kinder- und Jugendsportbericht, der kürzlich erschienen ist, ohnehin zu wenig. Was können Vereine in diesen schwierigen Zeiten tun?

Anne KoehlerAnne Köhler, Vorsitzende der WSJ / @WSJRückblickend haben die Vereine schon vor dem November-Lockdown ein sehr kreatives Angebot für die Kinder und Jugendlichen auf die Beine gestellt – stets zu den aktuell gültigen Bestimmungen, was auch nicht immer ganz leicht war. Durch den kompletten Lockdown war erneute Flexibilität und Kreativität gefordert. Viele Vereine haben Online-Trainings angeboten, in der Adventszeit auch digitale Adventskalender mit Bewegungs- und Spielformen für zu Hause. Ich denke, die Vereine tun das Möglichste, um die Jugend nicht im Vereinssetting, aber eben dennoch zu Hause zu bewegen.

Wenn Sport im Verein nicht möglich ist, stehen dann auch die Eltern in der Verantwortung?

Ganz klar liegt dann der Bewegungsauftrag verstärkt im privaten Bereich, sprich bei den Eltern und Familien. Das kann morgens beim gemeinsamen Weg zur Schule – zu Fuß und nicht mit dem Eltern-Taxi – beginnen. Auch bei winterlichen Witterungsbedingungen sollte so oft wie möglich mit der Familie gemeinsam rausgegangen und sich gemeinsam bewegt werden.

Welche langfristigen Folgen könnte ein noch länger andauernder Lockdown im Kinder- und Jugendsport haben?

Wenn unter „normalen“ Bedingungen schon nicht die empfohlenen 60 Minuten Bewegung am Tag erreicht werden, kann sich die Lockdown-Phase auf die Kinder und Jugendlichen deutlich auswirken. Physische aber wahrscheinlich auch psychische Folgen sind möglich. Vieles, was an Grundlagen in diesem Alter erlernt wird, fällt jetzt weg. Das in einer späteren Altersstufe nachzuholen, wird schwierig.

Welchen Herausforderungen müssen sich Sportvereine in den kommenden Monaten stellen?

Die Corona-Pandemie ist die Herausforderung schlechthin. Damit verbunden werden wir bei der Bestandsmeldung sehen, wie viele Kinder und Jugendliche verloren gegangen sind. Für die Vereine besteht dann die Schwierigkeit, diese wieder zurückzugewinnen, aber auch bestehende Angebotsformen zu hinterfragen, weiterzuentwickeln und gegebenenfalls neue Angebote zu entwickeln. Und es wird darum gehen, die Ehrenamtlichen wieder zu motivieren.

Können Sie dem Virus auch etwas Positives abgewinnen?

Angesichts der Zahl der Infizierten und Todesfälle wäre es vermessen von Positivem zu sprechen. Sicherlich gibt es einige Bereiche, die weiterentwickelt wurden, um in erster Linie die Arbeit erhalten und fortführen zu können – die so eine Art Digitalisierungs-Push erlebt haben.

Weg von der Corona-Pandemie hin zu anderen Themen: Bei ihrem Amtsantritt im April 2018 hatten Sie die Prävention sexualisierter Gewalt als ein Kernthema der WSJ genannt. Ist das noch weiterhin so?

Definitiv. Die Bedeutung des Themas hat nicht abgenommen, ganz im Gegenteil. Durch unsere Aufklärungsarbeit, aber auch durch die zunehmende Präsenz in den Medien, verspüren wir eine erhöhte Nachfrage nach Schulungen oder Erstellung von Schutzkonzepten in den Vereinen. Aufgrund von Corona konnten wir im vergangenen Jahr knapp 50 Veranstaltungen vor Ort nicht durchführen. Diese müssen in diesem Jahr zusätzlich zum schon vollen Kalender nachgeholt werden. Um der Nachfrage gerecht zu werden, wollen wir unseren Referentenpool erweitern, gekoppelt mit digitalen Modulen. Außerdem haben wir eine neue Kinderschutz-Initiative entwickelt, an der sich die Vereine beteiligen können.

banner kinderschutzDie neue Initiative der WSJ zum Kinder- und Jugendschutz im Sportverein / @WSJ

Welche weiteren Themen stehen in den nächsten Monaten im Fokus?

Diese sind vielfältig. Das reicht von zielgruppengerechten Aus- und Fortbildungen bis zu den WerteLeitbild-Workshops, die in den kommenden zwei Jahren erfreulicherweise über den Ideenwettbewerb „Gemeinsam:Schaffen“ des Ministeriums für Ländlichen Raum gefördert werden. Unsere Ehrungsveranstaltungen rund um die Kampagne VORBILD SEIN! möchtenwir weiterentwickeln und den Wettbewerb VORBILDER des Jahres im Oktober wieder starten lassen. Im Fokus steht weiterhin auch das Junge Engagement, bei dem es darum geht, gemeinsam mit den Vereinen, den Sportkreisen und Verbänden junge Menschen für ein Ehrenamt im Sport zu begeistern. Im laufenden Jahr möchten wir außerdem das sogenannte Minisportabzeichen einführen.

Was verbirgt sich hinter dem Minisportabzeichen?

Dabei handelt es sich um ein spielerisches Sportabzeichen für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Laut dem Vierten Kinder- und Jugendsportbericht reduziert sich das Aktivitätsniveau in diesem Alter deutlich, mit Eintritt in die Kita und nochmals mit dem Schulstart. Mit dem Minisportabzeichen möchten wir dieser Entwicklung entgegenwirken und die Bewegung spielerisch fördern. Verschiedene Bewegungsformen sind zu erledigen, für die es dann eine kleine Anerkennung gibt.

Wenn ein Verein Unterstützung benötigt – wie kann er die WSJ erreichen?

Telefonisch oder per E-Mail, persönliche bzw. momentan eher digitale Beratung zählen ebenso dazu wie unser WSJ-Newsletter und die Online-Medien. Über die verschiedenen Kanälen wollen wir umfassend informieren und stehen den WLSB-Vereinen bei allen Fragen rund um die Jugendarbeit zur Verfügung, damit wir gemeinsam die aktuellen und bevorstehenden Herausforderungen bewältigen werden!

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