Das gilt ganz besonders für Kinder und Jugendliche – und zwar gleich in mindestens zweierlei Hinsicht. Ein Kommentar von der WSJ-Vorsitzenden Anne Köhler

Durch die ergriffenen Maßnahmen des Lockdowns waren und sind auch jetzt noch Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag erheblich eingeschränkt. Insbesondere stehen ihnen ihre gewohnten Sportund Bewegungsangebote nicht zur Verfügung. Sportstätten, Schwimmbäder und Bolzplätze sind alle geschlossen – der natürliche Bewegungsdrang kann nicht ausgelebt werden und dies für einige Wochen – in Kinderaugen eine Ewigkeit.

Um die Bewegungsausfälle und ihre negativen Auswirkungen auf die motorische Entwicklung in Grenzen zu halten, ist Kreativität aller Beteiligten gefragt: ob von Eltern, Familien oder eben auch in den Sportvereinen. Letztere organisierten in den vergangenen Wochen vermehrt Trainingseinheiten in digitaler Form oder boten Live-Sportstunden an, in denen die Vereinsjugend zumindest wenige Male in der Woche ein angeleitetes Bewegungsprogramm erfahren konnte. Hierfür gilt den vielen Vereinen in Württemberg ein großer Dank für ihre Kreativität und ihr Engagement, sich auf die aktuelle Situation einzustellen und sich in digitale Prozesse und Angebote einzuarbeiten.

Soziale Distanz kann auch Angstgefühle erzeugen

anne koehler 2019© WSJAber für die meisten Kids und Jugendlichen ist eines noch viel wichtiger: diese Programme per Videokonferenz GEMEINSAM mit den Sport- und Schulfreunden zu erleben. Sich zu sehen, zu hören, gemeinsam zu lachen und so für einige Zeit lang das Gemeinschafts- und Teamgefühl des Sports wieder zu spüren und der einsamen und langweiligen Corona-Zeit zu entkommen. Denn worüber kaum jemand spricht: ganz besonders bei Kindern und Jugendlichen erzeugen die Kontaktbeschränkungen und die soziale Distanz zu Freunden Unzufriedenheit und teilweise sogar Angstgefühle, wie die „JuCo“- Studie der Universitäten Frankfurt und Hildesheim zeigt. Junge Menschen verbringen zwar viel Zeit mit Medien, jedoch oftmals, um darüber ihre Freundschaftsbeziehungen zu organisieren – nicht, um sie ausschließlich darüber aufrechtzuerhalten.

Das Wiedereinsetzen des Schulbetriebes, wenn auch nur stundenweise, hilft die sozialen Kontakte wieder vermehrt aufzubauen. Das muss auch den Sportvereinen ermöglicht werden – und dazu braucht es Rahmenbedingungen, die von Ehrenamtlichen mit vertretbarem Aufwand umsetzbar sind und damit eine Wiederaufnahme auch sinnvoll erscheinen lassen. Dies ist in jedem Fall ein Kraftakt für uns alle! Und erfordert Kreativität und Ausdauer! Doch mit den Stärken unserer einmaligen Vereinsstruktur werden wir auch diese Herausforderung meistern.

Kinder und Jugendliche brauchen Verlässlichkeit

Wozu die starken Gemeinschaften unserer Vereine fähig sind, zeigen die zahlreichen beeindruckenden Beispiele unter dem Hashtag #sportflattensthecurve. Viele Vereinsjugenden nutzen ihre freie Schul-, Studiums- und Trainingszeit, um Nachbarschaftshilfen insbesondere für Personen der Risikogruppen zu organisieren – ob Vereinsmitglied oder nicht, spielte dabei keine Rolle. Im Vordergrund steht die gegenseitige Unterstützung. Es zeigt sich: unsere Vereine sind kreativ, flexibel und anpassungsfähig. Und noch etwas Positives: das krisenbedingte „neue“ Format des solidarischen Miteinanders ist auch ein bereicherndes Lernfeld für viele Jugendliche unserer Vereine.

Dennoch muss weiter verstärkt über die Öffnung aller Sportstätten unserer Vereine debattiert werden, um dem „normalen“ Trainingsalltag ein Stück näher zu kommen. Denn in unseren 5.700 Vereinen in Württemberg treiben rund 850.000 Kinder und Jugendliche nicht nur regelmäßig Sport. Sie pflegen insbesondere Freundschaften und ihre soziale Beziehungen. Kinder und Jugendliche brauchen Verlässlichkeit und eine Bewegungsperspektive.

von Anne Köhler, WSJ-Vorsitzende

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